Die Pessartherapie bei Deszensus und Harninkontinenz ist viel besser als ihr Ruf! Vorbei sind die Zeiten, als Pessare riechender Fluor, Infekte und Ulzerationen auslösten. Die alte Behandlungsmethode ist mit moderneren, viel angenehmeren Pessartypen aus speziellem, für die Pessartherapie entwickeltem Silikon, zurückgekehrt.
Zu dieser Renaissance trägt nicht zuletzt auch die ernüchternde Bilanz der Deszensus- und Inkontinenzoperationen bei. Die Langzeitergebnisse sind bei weitem nicht so gut, wie die meisten Operateure erwartet haben.
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Ein Deszensus uteri ist meist eine Folge geburtshilflicher Läsionen oder einer angeborenen Bindegewebsschwäche. Die uterinen Ligamente und die stützenden Beckenbodenmuskeln sind ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen. Die Gebärmutter senkt sich und es kommt zu Druckgefühlen und Rückenschmerzen, zu Scheuerungen, Ulzera und Blutungen. Mit dem Deszensus tritt nicht selten eine Urethro-, Zysto- oder Rektozele auf. Die Urethrozele begünstigt die Stressinkontinenz, weil sich die Urethra beim Pressen trichterförmig öffnet.
Die Zystozele kann, besonders wenn sie prolabiert, die Urethra abknicken und in der Folge Miktionsbeschwerden und Harnverhaltung hervorrufen; und die Rektozele schließlich verursacht Defäkationsprobleme.
Zur Behandlung von Harninkontinenz und Deszensus haben sich verschiedene Pessartypen bewährt: Das Urethra-, das Würfel-, das Ring- und das Sieb-Schalen-Pessar.
Das Ring-Pessar wird bei Deszensus und Stressinkontinenz eingesetzt, aber auch zur Vorbereitung einer Deszensusoperation und zur Narbenauflockerung (z.B. nach einer Scheidenwandplastik). Das Würfel-Pessar dient zur Therapie eines Uterusprolaps, des Deszensus ohne Harninkontinenz, der Cystozele, der Rektozele sowie der Narbenauflockerung.
Das Urethra-Pessar liegt auf den medialen Anteilen des M. levator ani auf. Der Deszensus wird durch dieses Pessar repositioniert, und zudem wird die proximale Urethra nach ventral und oben verlagert, was den Verschlussdruck wesentlich verbessert. Wenn der Levator ani aber schlaff und insuffizient ist, findet das Ring-Pessar keinen Halt. Sollte es also bei einer stressinkontinenten Frau nicht halten, können Sie auf einen Würfel-Pessar ausweichen.
Dieser Pessartyp beruht auf einem anderen Wirkprinzip, denn Würfel-Pessare haften wie Saugnäpfe an der Vaginalwand. Dadurch erfolgt eine Stabilisierung und Festigung. Auch beim Genitaldeszensus und -prolaps (mit insuffizientem Levator ani) ersetzen Würfel-Pessare alle anderen „Spezialkonstruktionen“ früherer Zeiten.
Wenn das Würfel-Pessar zur Reposition einer Zystozele eingesetzt wird, kann gelegentlich eine lavierte Stressinkontinenz aufgedeckt werden. Dann muss man auf ein Ring- oder Sieb-Schalen-Pessar wechseln.
Alle Patientinnen mit einer Zystozele, Rektozele und bei Uterusdeszensus oder -prolaps sollten erst mit Würfel-Pessaren behandelt werden, bevor eine Operation in Betracht gezogen wird. Dabei wird der kleinste Würfel gewählt, der gerade noch haftet. Nach dem 1. und 2. Behandlungsmonat kann in der Regel jeweils auf einen kleineren Würfel gewechselt werden.
In über einem Drittel der Fälle wird nach 3-5 Monaten eine bleibende Reposition (ohne eingelegtes Pessar) erreicht; eine Operation erübrigt sich. Bei den übrigen Patientinnen dagegen, bei denen trotz Blasen- und Beckenbodentraining sowie einer lokalen Östrogentherapie keine bleibende Repositionierung und befriedigende Beschwerdeheilung erreicht wird, ist eine Operation nicht zu vermeiden.
Natürlich spricht nichts gegen eine lebenslange Pessar-Therapie. Da die Patientinnen das Würfel-Pessar am Abend entfernen und morgens mit Ladysoft als Gleitgel wieder einführen, ist eine gute Gewebeentlastung und Hygiene gegeben.